Meine Zuchtphilosophie

Gleich vorweg – auch wenn vermutlich jeder verantwortungsvolle Dalmatinerzüchter, der mit Herzblut bei seinen Hunden ist, etwas Ähnliches schreibt: Für mich bedeutet verantwortungsvolle Dalmatinerzucht, jeden einzelnen Welpen im Blick zu haben – nicht nur bis zur Abgabe, sondern ein Hundeleben lang.
Meine Welpen sind für mich etwas ganz Besonderes. Jeder Einzelne.
Deshalb wünsche ich mir für jeden von ihnen das bestmögliche Zuhause und Menschen, die ihr Hundekind liebevoll und verantwortungsbewusst durchs Leben begleiten – ein Hundeleben lang.
Und genauso endet für mich meine Verantwortung nicht mit der Abgabe eines Welpen. Ich stehe den neuen „Hundeeltern“ auch später gerne mit Rat und Tat zur Seite und freue mich über Fotos, Geschichten und Berichte darüber, wie sich die kleinen Knirpse entwickeln.
Zum Leben gehört allerdings auch, dass sich Situationen verändern können. Manchmal gibt es Umstände, unter denen sich getrennte Wege von Hund und Mensch trotz aller guten Absichten nicht vermeiden lassen.
Auch dann wünsche ich mir das Vertrauen meiner Welpenkäufer. Niemand sollte sich scheuen, sich bei mir zu melden, wenn Probleme auftreten oder eine Situation schwierig wird. Ob durch Beratung, Erfahrungsaustausch, Unterstützung bei der Suche nach einer Lösung oder – im schlimmsten Fall – bei der Vermittlung oder Rücknahme eines Hundes: Auch dann möchte ich für meine Nachzucht da sein.
Warum Zucht im VDH/FCI?
Ich habe mich ganz bewusst für die Zucht innerhalb von VDH und FCI entschieden. Nicht, weil ein Verbandslogo automatisch gute Zucht garantiert, sondern weil ein verbindlicher Rahmen geschaffen wird, innerhalb dessen bestimmte Voraussetzungen erfüllt, Untersuchungen durchgeführt und Regeln eingehalten werden müssen.

Für mich beginnt verantwortungsvolle Zucht mit Wissen.
Wer Dalmatiner züchten möchte, sollte sich intensiv mit der Rasse auseinandersetzen:
Wie soll ein Dalmatiner anatomisch aufgebaut sein und was beschreibt der Rassestandard?
Welche physiologischen und gesundheitlichen Besonderheiten bringt die Rasse mit sich?
Wie sollte ein Dalmatiner vom Wesen her sein?
Welche Bedürfnisse hat er hinsichtlich Haltung, Ernährung, Bewegung und Beschäftigung?
Ebenso gehören Kenntnisse über Genetik, Verhalten, Fortpflanzung und Aufzucht für mich zu den Grundlagen einer verantwortungsvollen Zucht.
Als Züchterin eines dem VDH angeschlossenen Rassehundezuchtvereins – in meinem Fall des Club für Dalmatiner-Freunde e. V. (CDF) – erkenne ich dessen Zuchtordnung und Regularien an. Darin sind die Voraussetzungen festgelegt, die erfüllt sein müssen, bevor überhaupt ein Wurf geplant werden darf.
Dazu gehört unter anderem, dass ich als Züchterin entsprechende Sachkenntnis nachweisen und mich regelmäßig fortbilden muss.
Auch die Zuchtstätte selbst muss bestimmte Anforderungen erfüllen. Es gibt beispielsweise Vorgaben beziehungsweise Anforderungen an Wurfraum und Wurfkiste, Freiauslauf, Licht, Temperatur, Hygiene, Rückzugsmöglichkeiten und Beschäftigung der Welpen. Die Zuchtstätte wird vor Beginn der Zucht durch einen Zuchtwart kontrolliert und abgenommen.
Voraussetzungen für die Zuchthunde

Doch nicht nur der Züchter und die Zuchtstätte müssen Voraussetzungen erfüllen. Auch ein Hund darf nicht allein deshalb zur Zucht eingesetzt werden, weil er gesund erscheint, hübsch aussieht oder einen interessanten Stammbaum besitzt.
Für die Zuchtzulassung muss der Hund unter anderem einen von VDH/FCI anerkannten Abstammungsnachweis besitzen.
Sein äußeres Erscheinungsbild und sein Wesen werden im Rahmen einer Zuchtzulassungsprüfung beurteilt. Darüber hinaus müssen mehrere Ausstellungsbewertungen vorliegen. Nach der derzeit veröffentlichten CDF-Zuchtordnung sind mindestens drei Bewertungen auf VDH/FCI-Ausstellungen mit mindestens der Formwertnote „Sehr gut“ erforderlich oder aber eine separate Phänotyp-Beurteilung durch einen Zuchtrichter (Stand 2025).
Hinzu kommen vorgeschriebene Gesundheitsuntersuchungen. Dazu gehören beim Dalmatiner insbesondere die audiometrische Untersuchung (AEP), bei der für einen Zuchteinsatz beidseitige Hörfähigkeit nachgewiesen werden muss, sowie die Untersuchung auf Hüftgelenksdysplasie (HD).
Natürlich spielt auch das Alter eine Rolle.
Eine Hündin darf beim ersten Deckakt nach derzeitiger CDF-Zuchtordnung frühestens 20 Monate alt sein. Persönlich finde ich es keineswegs nachteilig, einer jungen Hündin darüber hinaus noch etwas Zeit zu geben, körperlich und mental erwachsen zu werden, bevor sie Mutter wird.
Auch zwischen zwei Würfen sind Ruhezeiten vorgeschrieben. Diese Zeit ist wichtig, damit sich die Hündin körperlich vollständig erholen und unter anderem Gebärmutter und Gesäuge regenerieren können.
Und auch nach oben gibt es eine Grenze: Nach Vollendung des achten Lebensjahres darf eine Hündin im CDF nicht mehr belegt werden.
Regeln sind für mich nur die Grundlage
All diese Vorgaben schaffen einen wichtigen Rahmen für verantwortungsvolle Hundezucht.
Aber sie sind für mich nur die Grundlage – nicht das Ziel.
Eine Zuchtordnung kann Mindestanforderungen festlegen. Was ein Züchter darüber hinaus aus seiner Zucht macht, wie intensiv er sich informiert, wie kritisch er seine eigenen Hunde betrachtet und wie sorgfältig er seine Verpaarungen plant, liegt zu einem erheblichen Teil in seiner eigenen Verantwortung.
Für mich gehört deshalb weit mehr dazu als das Erfüllen vorgeschriebener Untersuchungen und das Besuchen des obligatorischen Züchterseminars.
Dazu gehören das kontinuierliche Studium zuchtrelevanter Themen, Genetik und Gesundheitsfragen ebenso wie die intensive Beschäftigung mit den Hunden hinter einer Ahnentafel.
Ich möchte wissen, welche Hunde dort stehen.
Wie sahen sie aus? Wie waren sie vom Wesen? Wie alt wurden sie? Welche Stärken hatten sie – und welche Schwächen? Was haben sie vererbt? Welche Nachkommen gibt es? Welche Linien treffen bei einer geplanten Verpaarung aufeinander?
Dazu kommen Gespräche und Erfahrungsaustausch mit anderen Züchtern, das Studium von Zuchtbüchern, Gesundheitsdaten, Ausstellungsergebnissen, Fotos und Videos sowie der Besuch von Ausstellungen, um möglichst viele Hunde nicht nur auf dem Papier oder auf Fotos, sondern auch einmal „live“ zu sehen.
Genau hier sehe ich einen großen Vorteil einer organisierten Rassehundezucht.
Durch Zuchtbücher und weit zurückverfolgbare Abstammungsnachweise, dokumentierte Gesundheitsuntersuchungen, Audiometrie- und HD-Ergebnisse, Ausstellungsbewertungen sowie die Erfahrungen langjähriger Züchter steht eine große Menge an Informationen zur Verfügung.
Je mehr man über die Hunde hinter einer Verpaarung weiß, desto gezielter kann man versuchen, Gesundheit, Wesen, Anatomie und Rassetyp in die gewünschte Richtung zu entwickeln.
Ein gutes Beispiel: Durch Audiometrie und entsprechende züchterische Selektion ließ sich in den letzten Jahrzehnten der Anteil an Taubheit bei den Welpen reduzieren. Auch die Hüftgelenksdysplasie ist beim Dalmatiner durch verpflichtende Untersuchungen und entsprechende Zuchtvorgaben kontrolliert.
Zucht ist nicht vollständig planbar
Eines darf man bei all diesen Überlegungen niemals vergessen:
Wir züchten Lebewesen – keine Produkte.
Man kann Ahnentafeln studieren, Gesundheitsdaten auswerten, Generationen von Hunden recherchieren, sorgfältig auswählen und eine Verpaarung nach bestem Wissen und Gewissen planen.
Und trotzdem kann etwas anders kommen als erhofft.
Ein Hund kann erkranken. Ein Welpe kann sich anders entwickeln als erwartet. Eigenschaften können auftreten, die sich aus den bekannten Informationen nicht vorhersehen ließen. Biologie lässt sich nicht vollständig planen.
Deshalb halte ich auch wenig von Versprechen, die niemand seriös geben kann. Eine Garantie auf einen lebenslang gesunden Hund gibt es nicht. Was ein Züchter aber leisten kann und meiner Meinung nach auch leisten sollte, ist etwas anderes:
So viel Wissen wie möglich zusammentragen, sorgfältig auswählen, kritisch hinterfragen, verantwortungsvoll entscheiden und für jeden einzelnen Wurf das Bestmögliche tun.
Genau das ist mein Anspruch.
Ich wünsche mir gesunde, glückliche und wesensfeste Hunde, die nicht nur Dalmatiner heißen, sondern auch als solche erkennbar sind.
Und genauso wünsche ich mir Menschen, die mit ihren Hunden glücklich sind – und die mir viele Jahre später noch mit strahlenden Augen erzählen:
„Das ist genau der richtige Hund für uns.“


