Die Harnsäure beim Dalmatiner ist aufgrund einer genetischen Besonderheit im Harnsäurestoffwechsel ein rassetypisches Thema.
Dadurch scheiden sie deutlich mehr Harnsäure über den Urin aus als andere Hunde. Das erhöht das Risiko für Uratkristalle und Harnsteine – bedeutet aber nicht, dass jeder Dalmatiner erkrankt.

Dalmatiner betrachtet fragend eine Urinprobe im Reagenzglas
Die besondere Harnsäureausscheidung gehört zu den rassetypischen Stoffwechselmerkmalen des Dalmatiners.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Variante im SLC2A9-Gen beeinträchtigt den Harnsäuretransport.
  • Konzentrierter Urin begünstigt Uratkristalle und Harnsteine.
  • Nicht jeder Dalmatiner entwickelt Steine; mehrere Risikofaktoren wirken zusammen.
  • Probleme beim Urinieren sind ein tiermedizinischer Notfall.

Warum scheiden Dalmatiner mehr Harnsäure aus?

Von Purinen zu Harnsäure

Purine sind natürliche Bestandteile der Erbsubstanz jeder Zelle. Sie kommen deshalb sowohl im Körper als auch in vielen Lebensmitteln vor. Beim Abbau von Purinen entsteht zunächst Harnsäure.

Bei den meisten Hunden gelangt die Harnsäure in die Leberzellen und wird dort mithilfe des Enzyms Urikase in Allantoin umgewandelt. Allantoin ist gut wasserlöslich und kann über die Nieren problemlos ausgeschieden werden.

Die Besonderheit des SLC2A9-Gens

Beim Dalmatiner ist nicht das Enzym selbst gestört. Die Ursache liegt im Transport: Eine genetische Variante im SLC2A9-Gen beeinträchtigt den Transport der Harnsäure in Leber und Niere. Dadurch wird weniger Harnsäure in Allantoin umgewandelt und gleichzeitig mehr Harnsäure über den Urin ausgeschieden. Diese erhöhte Ausscheidung heißt Hyperurikosurie.

Auch die Harnsäurekonzentration im Blut kann erhöht sein; dann spricht man von Hyperurikämie. Die genetische Variante ist beim klassischen Dalmatiner sehr weit verbreitet. Eine bekannte Ausnahme bilden LUA-Dalmatiner aus dem Backcross-Projekt, bei denen eine funktionierende Genvariante wieder in die Population eingebracht wurde.

Mehr zum Backcross-Projekt: LUA-Dalmatiner.

Die SLC2A9-Variante kommt außerdem bei einzelnen Hunden anderer Rassen vor, unter anderem bei Bulldoggen und Schwarzen Russischen Terriern. Ein Gentest kann die betreffende Variante nachweisen.

Wie entstehen Uratkristalle und Harnsteine?

Harnsäure ist nur schlecht wasserlöslich. Ist viel Harnsäure in wenig Urin enthalten, kann die Lösung übersättigt werden. Vereinfacht lässt sich das mit Salz in einem Glas Wasser vergleichen: Bis zu einem bestimmten Punkt löst es sich, danach bleiben Kristalle zurück.

Im Urin können sich zunächst kleine Harnsäure- beziehungsweise Uratkristalle bilden. Lagern sich weitere Kristalle an, entstehen Harngrieß und schließlich größere Uratsteine. Diese können die Blase reizen, Schmerzen verursachen oder die Harnröhre blockieren.

Uratsteine finden sich beim Dalmatiner überwiegend in den unteren Harnwegen, also in Blase und Harnröhre. Besonders Rüden haben wegen ihrer längeren und stellenweise engeren Harnröhre ein höheres Risiko für einen gefährlichen Verschluss.

Nicht jeder Dalmatiner entwickelt Harnsteine

Die Hyperurikosurie ist eine wichtige Voraussetzung für die Bildung von Uratsteinen, reicht allein aber nicht aus. Viele Dalmatiner bleiben trotz ihrer genetischen Veranlagung lebenslang ohne Beschwerden.

Das Risiko steigt insbesondere, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:

  • stark konzentrierter Urin durch geringe Flüssigkeitsaufnahme
  • seltenes Urinieren und lange Verweildauer des Urins in der Blase
  • ein für Uratkristalle ungünstiger, saurer Urin-pH
  • eine sehr purinreiche Fütterung, beispielsweise mit großen Mengen Innereien oder Bierhefe
  • männliche Anatomie mit höherem Risiko für eine Harnröhrenverstopfung

Hinweis zur Kastration von Rüden: Wenn eine Kastration überhaupt erwogen wird, sollte sie nicht zu früh erfolgen. Es wird empfohlen, Dalmatinerrüden nicht vor dem zweiten Lebensjahr zu kastrieren, damit sich das Urogenitalsystem vollständig entwickeln kann. Ob und wann eine Kastration für den einzelnen Hund sinnvoll ist, sollte individuell abgewogen und mit der Tierarztpraxis besprochen werden.

Wie lässt sich der Harnsteinbildung vorbeugen?

Für ausreichend Flüssigkeit sorgen

Eine gute Flüssigkeitsaufnahme verdünnt den Urin und hilft, die Harnwege regelmäßig durchzuspülen. Wasser kann unter das Futter gemischt werden; auch feuchtreiches Futter kann die Wasseraufnahme erhöhen. Welche Fütterungsform für den einzelnen Hund geeignet ist, hängt von seiner Gesundheit und der gesamten Rationszusammensetzung ab.

Sehr purinreiche Futtermittel begrenzen

Besonders purinreiche Bestandteile wie bestimmte Innereien, Bierhefe und einige getrocknete Kauartikel sollten nicht unkontrolliert in großen Mengen gefüttert werden. Bei einem Hund mit nachgewiesenen Kristallen oder Uratsteinen sollte die Ernährung gemeinsam mit der Tierarztpraxis und gegebenenfalls einer qualifizierten Ernährungsberatung abgestimmt werden.

Urin regelmäßig untersuchen lassen

Eine Urinuntersuchung kann Hinweise auf Kristalle, Urinkonzentration und pH-Wert liefern. Bei Hunden mit Beschwerden, bekannten Steinen oder erhöhtem Risiko können zusätzlich bildgebende Kontrollen sinnvoll sein. Medikamente zur Alkalisierung des Urins oder zur Senkung der Harnsäurebildung gehören ausschließlich in tierärztliche Hand.

Achtung: Probleme beim Urinieren sind ein Notfall

Bringen Sie Ihren Hund sofort in eine Tierarztpraxis oder Tierklinik, wenn er:

  • wiederholt erfolglos versucht zu urinieren,
  • nur noch tröpfchenweise oder unter sichtbarer Anstrengung uriniert,
  • dabei Schmerzen zeigt, unruhig wird oder sich auffällig häufig löst.

Auch wenn noch etwas Urin kommt, darf nicht abgewartet werden. Ein Stein oder Harngrieß kann die Harnröhre teilweise oder vollständig blockieren. Der zunehmende Druck schädigt Blase und Nieren und kann lebensbedrohlich werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Beratung.

Dalmatians and uric acid: what owners should know

Dalmatians have a genetic peculiarity in their uric acid metabolism. As a result, they excrete considerably more uric acid in their urine than most other dogs. This increases the risk of urate crystals and urinary stones—but it does not mean that every Dalmatian will develop them.

Key points

  • A variant of the SLC2A9 gene impairs the transport of uric acid.
  • Concentrated urine promotes the formation of urate crystals and urinary stones.
  • Not every Dalmatian develops stones; several individual risk factors interact.
  • Difficulty urinating is a veterinary emergency.

Why do Dalmatians excrete more uric acid?

From purines to uric acid

When the body breaks down purines, uric acid is produced. In most dogs, uric acid is transported into liver cells and converted by the enzyme uricase into allantoin, a substance that dissolves readily in water and can be excreted easily.

The SLC2A9 variant

In Dalmatians, a variant of the SLC2A9 gene disrupts the transport of uric acid in the liver and kidneys. Uricase itself is functional, but less uric acid reaches the place where it would normally be converted. The result is hyperuricosuria: an unusually high amount of uric acid in the urine.

The genetic variant is widespread in the breed. It also occurs in some other breeds. An exception is the LUA Dalmatian (Low Uric Acid), in which the normal gene variant was reintroduced through a backcrossing programme. Genetic testing can distinguish the variants.

How do urate crystals and stones form?

Uric acid is poorly soluble in water. If a large amount is present in concentrated urine, crystals can form—much like salt precipitating from a solution once the water can no longer hold it. Crystals may combine to form grit or urinary stones.

In Dalmatians, urate stones are found mainly in the lower urinary tract, especially the bladder and urethra. Male dogs have a higher risk of obstruction because their urethra is longer and contains particularly narrow sections. A blockage can rapidly become life-threatening.

Not every Dalmatian develops urinary stones

The genetic predisposition alone does not determine whether a dog will develop stones. Important contributing factors include:

  • low fluid intake and highly concentrated urine
  • infrequent opportunities to urinate
  • individual urine pH and metabolism
  • high intake of particularly purine-rich foods
  • urinary tract infections and other underlying conditions
  • the male urinary anatomy, which makes obstruction more likely

A note on neutering male dogs: If neutering is being considered at all, it should not be performed too early. It is recommended that male Dalmatians should not be neutered before two years of age, allowing the urogenital system time to mature. Whether and when neutering is appropriate for an individual dog should be assessed individually and discussed with the veterinarian.

How can the risk of urate stones be reduced?

Encourage fluid intake

Good hydration helps dilute the urine and encourages regular emptying of the bladder. Fresh water should always be available. Adding water to food or feeding moisture-rich food can help dogs that drink little. The most suitable feeding strategy depends on the individual dog and should be discussed with the veterinary practice.

Limit particularly purine-rich foods

A diet does not need to be judged by protein content alone. The source and purine content of the ingredients are also important. Organ meats, certain meat extracts, brewer’s yeast and some dried animal products can be particularly rich in purines. Treats and supplements should be included in the overall assessment. Dogs with confirmed stones or recurrent crystals need an individually tailored veterinary diet plan.

Monitor dogs at increased risk

Urinalysis can provide information about urine concentration, pH, crystals, blood and signs of infection. Depending on the findings, ultrasound or X-rays may also be useful. Medication and therapeutic diets belong under veterinary supervision.

Emergency: Difficulty urinating requires immediate veterinary care

  • repeated straining with little or no urine
  • pain, restlessness or a tense abdomen
  • blood in the urine
  • weakness, vomiting or increasing lethargy

Do not wait, even if a few drops of urine are still passing. Contact a veterinary practice or emergency clinic immediately. A blocked urinary tract can cause severe pain, kidney damage and a life-threatening metabolic crisis.

Sources and further reading

This article provides general information and does not replace a veterinary examination or individual advice.

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